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KoB – Kontakt- und Begegnungsstätte, Erding

Vom Klienten über einen Minijob zum Azubi, hin zum Leiter einer Suchteinrichtung – diese schöne Geschichte erzählt hier Thomas Schaller. Lesen Sie, wie er und seine Kollegin Manuela Huber Erwachsene aus allen Bevölkerungsschichten mit Suchterkrankung bzw. Suchtgefährdung betreuen.

„Ich habe selbst den Weg aus der Sucht gefunden und schlimme Zeiten mitgemacht, deswegen kann ich die Belange der Besucher*innen verstehen.“ Wie Thomas Schaller 2017 durch Prop die Chance seines Lebens bekam und was sich Manuela Huber für sog. „Systemsprenger“ wünscht …

 

Manuela Huber, Sozialpädagogin M.A. (FH) und Thomas Schaller, Staatlich anerkannter Arbeitserzieher und Einrichtungsleiter.

Interviews

Wer bist Du?
Manuela Huber, Sozialpädagogin M.A. (FH)

Seit wann im Verein?
Oktober 2017

In welcher Einrichtung arbeitest Du?
Kontakt- und Begegnungsstätte Erding

Warum hast Du Dich für diese Einrichtung entschieden bzw. warum für Prop?
Ich wollte schon immer in einem niedrigschwelligen Bereich arbeiten, da ich bereits während des Praxissemester in einem ähnlichen Setting gearbeitet habe. Und die Suchthilfe ist ein spannendes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld.

Welche Menschen kommen zu Dir?
Volljährige Menschen aus allen Bevölkerungsschichten mit Suchterkrankung bzw. Suchtgefährdung, häufig mit Doppeldiagnose, die einsam sind und sich mehr Tagesstruktur wünschen. 

Worum geht es in Deiner Arbeit?
Wir unterstützen unsere Besucher und Besucherinnen dabei, wieder eine geregelte Tagesstruktur aufzubauen, indem wir verschiedene Projekte, Gruppen, Ausflüge sowie ein gemeinsames Mittagessen anbieten. Durch unser bedarfsorientiertes Angebot haben unsere Besucher*innen die Möglichkeit, ins Gespräch mit Menschen mit ähnlichen Problemen zu kommen, ihren psychischen und physischen Gesundheitszustand zu stabilisieren bzw. zu verbessern sowie Unterstützung bei der Aufrechterhaltung ihrer Abstinenz zu erhalten.

Des Weiteren fungiert die KoB als niedrigschwellige Einrichtung häufig als erste Anlaufstelle in das Suchthilfesystem mit dem Auftrag zur Weitervermittlung in ambulante und stationäre Angebote der Suchthilfe.

Gibt es etwas, was Dich an Deiner Arbeit begeistert – ein Schlüsselmoment?
Da ich die Arbeit nun bereits seit einigen Jahren mache, ist es schön zu beobachten, wie sich der psychische und physische Gesundheitszustand einiger Klienten und Klientinnen im Zeitverlauf verbessert und stabilisiert hat.

Was gefällt Dir an Deiner Arbeit?
Die Möglichkeit, unser Angebot an den Interessen unserer Besucher*innen auszurichten sowie das spontane und situationsorientierte Arbeiten.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft im Jugend- und Suchthilfebereich?
Angebote für sog. „Systemsprenger“, die bisher durch sämtliche Raster im Hilfesystem fallen.

Gibt es noch etwas was Du loswerden möchtest?

Ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Akzeptanz für Menschen mit Suchterkrankung.

Wer bist Du?
Thomas Schaller, Staatlich anerkannter Arbeitserzieher, Einrichtungsleiter

Seit wann im Verein?
01.05.2015

In welcher Einrichtung arbeitest Du?
Kontakt- und Begegnungsstätte Erding

Warum hast Du Dich für Deine Einrichtung entschieden bzw. warum für Prop?
Ich war 2003 Klient des Leiters der Beratungsstelle von Prop e.V. in Erding. Dort wurde ich menschlich und fachlich sehr unterstützt. Die Hilfe, die ich dort erhalten habe, trug bedeutend zu meiner Abstinenz und Genesung bei. Dadurch hatte Prop immer einen Stein bei mir im Brett. Der Kontakt zu Prop ist bei mir nie ganz abgebrochen. Als die KoB Erding 2015 eröffnet wurde, hat mich der Leiter der Beratungsstelle Erding an die KoB vermittelt. Ich begann hier als Minijobber mit einem Handwerkskurs für Frauen. Da ich meine eigene Lebensgeschichte immer wieder mal ansprach, wurde ich schnell zu einer Bezugsperson für einige Besucher. Ich habe selbst den Weg aus der Sucht gefunden und schlimme Zeiten mitgemacht, deswegen konnte ich die Belange der Besucher*innen verstehen. 2017 gab mir Prop die Möglichkeit, eine duale Ausbildung zum staatlich anerkannten Arbeitserzieher zu machen, die ich nach drei Jahren sehr erfolgreich abschloss. Als unsere Leitung gekündigt hat, habe ich mich auf die Stelle der Einrichtungsleitung beworben, die ich nun seit 01.08.2020 innehabe. Ich arbeite bei Prop, da ich nun als Mitarbeiter meine Erfahrungen weitergeben kann.

Vom Klienten über einen Minijob zum Azubi, hin zum Leiter einer Suchteinrichtung. Schöne Geschichte :)

Welche Menschen kommen zu Dir?
Suchtgefährdete und suchtkranke Menschen mit all Ihren Lasten, aber auch mit all Ihren Geschichten und Fähigkeiten.

Worum geht es in Deiner Arbeit?
Unsere Klienten haben bei uns einen Platz, an dem sie sich aufhalten können, ohne mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Hier kann man Tagesstruktur, Gemeinschaft, Ruhe, Freude, Unterstützung und vieles mehr finden. Wir sind ein sanfter Einstieg in das Suchthilfesystem, aber auch ein Ort des Verständnisses für Menschen die bis jetzt keinen Erfolg im Suchthilfesystem hatten.

Gibt es etwas, was Dich an Deiner Arbeit begeistert – ein Schlüsselmoment?
Ich persönlich freue mich sehr, dass viele unserer Klienten immer wieder gern zu uns kommen und sich hier wohl fühlen. Mich begeistert, wie viel Kraft viele der Klienten mitbringen. Schlüsselmomente sind immer wieder vorhanden. Unglaublich empfinde ich es, wenn man alleine mit Blicken kommunizieren kann. Oft reicht einfach ein Blick um eine Antwort auf eine Frage zu erhalten.

Was gefällt Dir an Deiner Arbeit?
Ich finde es toll, dass wir die Konzeption so umsetzten können, wie wir es vor Ort für richtig halten. Die Freiheit, agieren und reagieren zu können, ermöglicht sehr viel Gutes. Die Beziehungen die entstehen verstehe ich als sehr bereichernd für beide Seiten.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft im Jugend- und Suchthilfebereich?
Ich wünsche mir, dass Einrichtungen wie unsere weiterhin finanziert werden, denn nur so können wir Menschen auf ihrem Weg begleiten und unterstützen.

Ich würde mir auch wünschen, dass mehr „abstinente Ehemalige“ in unserem Bereich arbeiten, da wir doch im Grunde die „Spezialisten“ sind. Also Teams aus pädagogischen Fachkräften und selbst „betroffenen“ Fachkräften.

Letztendlich wünsche ich mir, dass sich unsere Bezahlung mehr an die Bezahlung in der Wirtschaft angleicht. Viele Mitarbeiter im sozialen Bereich sind Idealisten, die Großes leisten.